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Am 27. Mai standen der Tölzer Andreas Wiedemann und Bertl Albrecht aus Bad Heilbrunn auf dem sechshöchsten Berg der Erde... |
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Wer träumt nicht einmal davon, auf einem der Achttausender zu stehen? Abenteuerliche Berichte über die Besteigungen und die Auseinandersetzungen mit den Naturgewalten und der sauerstoffarmen Höhenluft lassen einen meistens bei den Träumereien verweilen und überschaubarere Ziele anstreben. Da meine Bergtouren auf Sechs- und Siebentausender in Südamerika (Aconcagua, Chimborazo, Cotopaxi) und im Pamir (Pik Koschneswkeja, Pik Kommunismus) bisher sehr erfolgreichwaren, nahm ich mir vor, mein Glück auch einmal auf einem der höchsten Berge zu versuchen. So bedurfte es keiner langen Überlegung,als ich das Angebot des Südtiroler Bergführers Hermann Tauber bekam,an seiner Expedition zum Cho Oyu, 8201 m, teilzunehmen. Als erstes galt es nun, zu Hause die Voraussetzungen für ein erfolgreiches |
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Am letzten Apriltag standen fünfzehn hoffnungsfrohe Bergsteiger aus Südtirol und Bayern mit schwerem Gepäck im Abfertigungsschalter des Münchner Flughafens und warteten nervös auf den Abflug in ein einmaliges Abenteuer.
Nach 12 Stunden Flug landeten wir in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, wo wir mit Blumenkränzen empfangen wurden. Die Zeit war hier viel zu kurz, um all die interessanten Sehenswürdigkeiten - buddhistische und hinduistische Tempel, Stupas, Märkte - und das rege Treiben und Handeln auf den Straßen und Gassen, betrachten zu können. Nachdem Ausrüstung und Verpflegung vervollständigt waren, ging es mit Bus und LKW zur 150 km entfernten Grenze nach Tibet. Hier an der tibetischen Grenze erwarteten uns bereits unser |
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nahegelegenen Hügeln genutzt. Das Problem der Höhenanpassung in Tibet ist, daß man mit dem Auto zu schnell auf große Höhen kommt, was eigentlich durch gemütliches Wandern mit einer stufenweisen Steigerung der Höhe erreicht werden sollte. Die Gefahr, daß man dabei bereits zu Beginn einer Expedition mit der Höhenkrankheit zu kämpfen hat, ist dabei sehr groß.
Tief beeindruckt hat mich ein Erleonis mit einem älteren Tibeter. Er sah meinen Tibet-Reiseführer liegen, nahm ihn bedächtig in die Hände und blätterte mit leuchtenden Augen in dem Buch und machte mir bei den abgebildeten Klöstern und Zeichnungen zerstörter Klöster deutlich, daß er sie alle kannte und auch schon gesehen hatte. Als er ein Bild des Dalai Lama erblickte, faltete er die Hände, verneigte sich und murmelte einige Gebetsfomeln. |
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Gelingen, soweit überhaupt planbar, zu schaffen. Die Ausrüstung mußte ergänzt werden, vorallem für die extreme Kälte in diesen Höhen mußte die richtige Kleidung gefunden werden. Was die Kondition betraf, hatte ich keine Bedenken, da ich letztes Jahr intensivfür den Ironman auf Hawaii trainiert hatte und dadurch die richtige Grundlage geschaffen war. Mit dem Heilbrunner Bertl Albrecht hatte ich einen Gleichgesinnten gefunden, den die magische Grenze von achttausend Metern ebenso reizte. Durch herrliche Skitouren im Frühjahr und einigen Bergläufen bereiteten wir uns vor. Ein medizinischer Check gehörte natürlich ebenfalls dazu. Bei dem Waakirchner Hans Engl, der ja schon einige Achttausender bestiegen hat, holten wir uns noch wertvolle Tips und so konnte die Expedition gut vorbereitet starten. |
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chinesischer Begleitoffizier und unser Dolmetscher. Es dauerte einige Stunden bis wir mit ihnen alle Grenzformalitäten und das Umladen des Gepäckes erledigt hatten.
Der Weg hinauf ins tibetische Hochland führte zuerst noch durch bewaldete, grüne Täler, doch bald waren wir von einer kargen, graubraunen Bergwelt umgeben. Es erstaunt einen immer wieder, wie die Bewohner es schaffen, in diesem rauhen Klima und dem steinigen Boden auf vier- bis fünftausend Metern Höhe Äcker anzulegen und wie ihre Yaks und Schafe genügend Gras zum Fressen finden.
In Nyalam, einem kleinen tibetischen Dorf auf 5800 m, wurden zwei Tage für die Anpassung an die ungewohnte Höhe mit Streifzügen durch den Ort und Wanderungen auf die |
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Nach ca. 400 km Fahrt über Pässe von fünftausend Metern und den staubigen und verkarsteten Hochebenen erreichten wir unser erstes Basislager auf 4800 m. Die Ausrüstung wurde hier auf Yaks verteilt und nach zwei Tagen Marschierens erreichten wir unser geplantes Hauptlager auf 5800 m, das als Ausgangspunkt gedacht war. Hier hatten wir auch unser Ziel, den Cho Oyu, immer vor unseren Augen.
Der Cho Oyu, bei den Tibetern "Göttin des Türkis" genannt, ist mit 8201 m der sechshöchste Berg der Welt. Er liegt an der nepalesischtibetischen Grenze im Himalajamassiv, ca. 20 km entfernt vom Mt. Everest. Der Österreicher Herbert Tichy erreichte am 19.10,54 als Erster mit einer Kleinexpedition im alpinen Stil den 8201 m hohen Gipfel über die Nordwestflanke, die auch unser Ziel war. |
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Der Anmarsch auf tibetischer Seite ist wesentlich kürzer und auch die Aufstiegsroute gilt als relativ leicht und birgt wenig objektive Gefahren, wogegen der Zugang auf nepalesischer Seite schon etwa zwei Wocnen in Anspruch nimmt, was auch einen größeren Aufwand an Trägern erfordert. Wir hatten dagegen nur 18 Yaks mit ihren Treibern für den Anmarsch zum Hauptlager und einen nepalesischen Koch, der für unser leibliches Wohl zu sorgen hatte. Die nötige Ausrüstung für die Hochlager wurde von uns selber getragen. Dies war natürlich auch eine hervorragende Anpassung an die große Höhe und auch ein Wertmesser für den Teamgeist und die Leistungsfähigkeit der Gruppe.
Immer wieder von Ruhetagen unterbrochen, bauten wir Hochlager auf. Als alles vorbereitet war, wurde zum Gipfelangriff geblasen. Der |
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wir hatten auch unser zweites Hochlager auf 7000 m erreicht, Einer von uns war in den Hochlagern immer damit beschäftigt, auf fünf Benzinkochern Schnee zu schmelzen, um genügend Flüssigkeit für alle zu kochen. Etwa fünf Liter Flüssigkeit mindestens sollte jeder in diesen Höhen trinken. Die Anspannung stieg bei allen, da am nächsten Tag der entscheidende Teil unserer Expedition bevorstand. Die Moral und die körperliche Verfassung der Einzelnen konnte nicht besser sein.
Um drei Uhr nachts starteten alle (5 Frauen, 12 Männer) bei Vollmond zur letzten Etappe. Über ein großes Schneefeld, dabei einige Gletscherspalten überquerend, ging es langsam bergauf zum markanten gelben Felsband, das die ganze Breite der Nordwestflanke durchzieht. Langsam wagte |
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tibetische Hochland, wo bauschige weiße Wolkenschwämme alles zu verbergen suchten, war der Lohn unserer Anstrengung. Das euphorische Gefühl, wie man es sich vielleicht im Tal ausgemalt hatte, blieb aus. Es war vielmehr die Freude und Erleichterung darüber es zusammen mit den Kameraden geschafft zu haben.
Der Abstieg forderte nochmals die volle Konzentration. In drei Stunden war man wieder zurück im Hochlager. Am nächsten Tag wurde die ganze Ausrüstung, die ja in mehreren Etappen hochgetragen wurde, aufgeladen und hinab bis zum Hauptlager geschleppt. Erst hier wich die Anspannung der letzten Tage und wir konnten stolz zu unserem Berg hinaufschauen.
Das Wetter hatte auch seine Schuldigkeit getan und als wäre alles abgesprochen, kam |
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Einheitsbauten und die farblose Kleidung der sogenannten Befreier Tibets haben von der Farbenpracht und der gläubigen Lebensweise der Tibeter nicht mehr viel übriggelassen. Der größte Teil der Klöster wurde bei der Kulturrevolution der Chinesen vor 40 Jahren zerstört, doch der Innere Glaube der Tibeter widerstand bis jetzt allen Schikanen.
Der Besuch der Klöster Potala und Dschokhang vermittelte einen kleinen Eindruck, welch hohen Stellenwert ihre Religion, der Buddhismus, bei der Bevölkerung hat. In den einzelnen Kapellen und Gemächern, die kunstvolle Statuen ehemaliger Dalai Lhamas und deren Lehrer beinhalten, oder auch verschiedene Gottheiten darstellen, werden Opfergaben dargebracht und religiöse Rituale vollzogen. |
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Erfolg eines solchen Unternehmens hängt zum großen Teil vom Wetter ab und auch von der richtigen Strategie des Expeditionsleiters. Mit beiden Punkten hatten wir das richtige Los gezogen. Das Wetter meinte es übermäßig gut mit uns, denn außer einigen kurzen Schneefällen, Gewittern und Stürmen begleitete uns zur richtigen Zeit die Sonne und ein strahlend blauer Himmel.
Vom Basislager auf 5800 m ging es zuerst entlang des schuttbedeckten Gyabrag-Gletschers, dann mühsam einen steilen Geröllhang, "Killerhang" genannt, hinauf zum ersten Hochlager auf 6400 m. Am nächsten Tag folgten wir einem Schneegrat bis uns ein gewaltiger Eisbruch den Weg versperrte. Ein Eisloch erleichterte uns den Weiterweg hinauf zu einer Gletschermulde. Nochmals über einen steilen Schneehang und |
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sich hier die Sonne hinter den Bergen hervor und machte die eisige Kälte erträglicher. Meine Füsse fanden anscheinend wenig Gefallen an diesen Temperaturen und ich hatte hier bereits Erfrierungen an den Zehen. Weiter über Felsbänder, einem steileren Schneefeld und kombiniertem Gelände erreichten wir das Gipfelplateau. Hier wähnt man sich schon am Ziel seiner Träume, doch kaum hat man eine Schneekuppe erreicht, fordert die nächsthöhere zum weitergehen auf. So waren dann noch fast zwei Kilometer zurückzulegen, bei denen die dünne Höhenluft alle nochmals voll forderte, bis der Punkt erreicht war, wo es nur noch abwärts ging. Erst der höchste Punkt gab den Blick auf den Mt. Everest frei und ein Bergsteigertraum ging für vierzehn von uns nach elf- bis zwölfstündiger anstrengender Geherei in Erfüllung. Ein grandioser Blick über die Gipfel des Himalaja und hinaus ins |
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der Schnee und ein eisiger Sturm hüllte den Cho Qyu ein. Nach vier Wochen am Berg, war es an der Zeit, das Weite zu suchen. Unser Begleitoffizier machte es möglich - Dollars sind hier immer ein gutes Argument - daß wir noch für einige Tage nach Lhasa, in die ehemals "verbotene Stadt" fahren konnten. Über 600 km auf holpriger Piste, durch steinige Täler, über hohe Pässe, entlang des Brahmaputra, unterbrochen von einem Zwischenstop in Shigatse, führte uns eine strapaziöse Fahrt mit Jeeps in die tibetische Hauptstadt.
Von weitem leuchtete bereits der Potala, ein riesiges Kloster und das Wahrzeichen der Stadt, das mitten in Lhasa auf einem Felsen thront. Lhasa, das Kulturzentrum und Sitz des Dalai Lama war, hat nichts mehr mit den faszinierenden Schilderungen eines Heinrich Harrers gemein. Unterdrückung, |
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Ein herrlicher Flug von Lhasa, vorbei an den Achttausendern Makalu, Lhotse, Mt. Everest und Cho Oyu, nach Kathmandu war ein würdiger Abschluß einer Expedition, die erfolgreicher nicht verlaufen hätte können.
Berichte von den Mißerfolgen und Unglücken bei anderen Expeditionen, die uns zu Hause erreichten, machten allen deutlich, daß nicht nur Können, sondern sehr viel Glück für diese hohen Berge erforderlich ist. Mit vielen bleibenden Eindrücken und neuen Erfahrungen kehrte ich von dieser erfolgreichen Reise vom Dach der Welt zurück. Ein Traum hatte sich erfüllt.
Andreas Wiedemann |
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