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eMail an Andreas Wiedemann
 Mount Mc Kinley

Expedition zum Mount Mc Kinley, Alaska (6193 m); Mai 1996

Bei -25 Grad im Einklang mit Natur und Berggöttern

Sechs Tölzer stürmten Nordamerikas höchsten Berg: Mount Mc Kinley (6193 m)

Denali/Bad Tölz (sts) - Groß und mächtig, schicksalsträchtig steht der Mount MC Kinley, in der Indianersprache auch Denali genannt. Mit seiner Höhe von 6193 Metern ist er Nordamerikas höchster Berg. Extreme Wetterschwankungen, Temperaturen bis minus 50 Grad und wechselnde Winde, die sich schnell zu Orkanstärke auswachsen, erschweren den Aufstieg, machen aber gleichzeitig die Anziehungskraft aus, die der Denali auf alle Bergsteiger ausübt.

Die Teilnehmer: h.v.l.r. Uwe Kalkbrenner, Bertl Albrecht, Walter Huber; v.v.l.r. Peter von der Wippel, Andi Wiedemann, Peter Weizert

kinley_people

Jeder Bergfex, der etwas
auf sich hält, erliegt irgend-
wann einmal dem Lockruf
des Felsgiganten in Alaska.
Heuer waren es sechs Tölzer,
die der Denali in seinen Bann
schlug und so machten sich
Peter von der Wippel, An-
dreas Wiedemann, Berti Al-
brecht, Uwe Kalkbrenner,
Peter Weizert und Walter
Huber vor einigen Wochen
auf den Weg, den Solitaire im
ewigen Eis zu erobern.
     „Seit Jahren schon gei-
sterte die Idee in unseren
Köpfen herum", erzählt An-
di Wiedemann, „Ende letz-
ten Jahres haben wir begonnen, unsere kleine private

ger auf den South-Kahiltna-
Gletscher (2200m), den Aus-
gangspunkt aller Mühen.
     In achttägiger Kleinarbeit
und kräftezehrender Berg-
steigerei schleppten sich die
iTölzer Alpinkatzen' mit 50
Kilo auf dem Buckel über
Kahlitnapaß, Windy Corner
und West-Buttress. Fünf
Zwischenlager  pflasterten
dabei ihren Weg. Dreißig Ki-
lometer und 4200 Höhenme-
ter liegen nämlich zwischen
Basislager und Gipfelkreuz,
da heißt es Kraft und Ver-
pflegung einteilen.
Am neunten Tag nahmen
Weizert, von der Wippel,
Wiedemann und Albrecht

Expedition konkret zu pla-
nen." Ein gutes halbes Jahr
nahmen die akkuraten Vor-
bereitungen in Anspruch.
Mitte Mai war's dann soweit.
In 20 Stunden reisten das
Sextett mit rund 70 Kilo Ge-
päck per Düsenklipper über
New York, Salt Lake City
nach Anchorage. Mit Pro-
viant für drei Wochen im
Rucksack verließ die Expe-
dition allmählich die Zivili-
sation und fuhr mit Bus und
Bahn ins 250 Kilometer ent-
fernte Talkeetna. Eingebet-
tet in ein riesiges Wald- und
Seegebiet ist Talkeetna be-
liebter Treffpunkt für Angler und Jäger - und eben jene

den Gipfel in Angriff, Kalk-
brenner und Huber waren
bereits einen Tag zuvor oben.
„Ein weiterer Ruhetag hätte
uns gut getan", erinnert sich
Andi Wiedemann, „aber die
schönen Tage am MC Kinley
sind selten, da muß man je-
den ausnutzen."
Die Berggötter meinten es
tatsächlich gut mit dem
Quartett: Sonne, Windstille
und für dortige Verhältnisse
läppische 25 Grad minus.
Ideale Bedingungen also für
den Gipfelsturm. Der dauerte
zwar   nochmals   sieben
Stunden, doch am 29. Mai um
16 Uhr war's geschafft. Bei
strahlendem Sonnenschein

denen kein Gipfel zu hoch,
kein Hang zu steil ist. In der
dortigen Rangerstation muß-
ten die Tölzer Bergsteiger
eine eingehende Unterwei-
sung über Gefahren und Ver-
halten am Mount MC Kinley
über sich ergehen lassen.
Eine Besteigung soll schließ-
lich im Einklang mit der Na-
tur erfolgen, und wenn rund
1000 Bergnarrische in der
nur acht Wochen währenden
Saison (Mai und Juni) zum
Gipfelsturm ansetzten, sind
gewisse Regularien eben un-
abdingbar.
     Tags  darauf ging es
schließlich mit einer einmo-
torigen Cessna zum Basisla-

genossen die Vier vom höch-
sten Punkt Nordamerikas
einen traumhaften Fernblick
auf die umliegenden Bergrie-
sen Mt. Hunter und Mt. Fora-
ker und die West-Buttress-
Aufstiegsroute. “Ein unver-
geßliches Erlebnis”, schwär-
men v. d. Wippel und Wie-
demann noch heute. Das
nächste Projekt schwirrt be-
reits in ihren Köpfen: der
Muztagh Ata (7282 m) an der
chinesichen Grenze

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