1. Die Nährstoffe
1.1 Eiweiß
1.1.1 Aufbau
1.1.2 Bedeutung für den menschl. Körper
1.1.3 Eiweißgehalt von Nahrungsmitteln
1.2 Fett
1.2.1 Aufbau
1.2.2 Eigenschaften der Fette
1.2.3 Bedeutung für den menschl. Körper
1.2.4 Fettbegleitstoffe / Fettähnliche Stoffe (Lipoide)
1.3 Kohlenhydrate
1.3.1 Aufbau
1.3.2 Verwertbarkeit
1.3.3 Bedeutung für den menschl. Körper
1.3.4 Zuckerähnliche Stoffe
1.4 Wasser
1.5 Mineralstoffe
1.5.1 Mengenelemente
1.5.2 Spurenelemente
1.6 Vitamine
1.6.1 fettlösliche Vitamine
1.6.2 wasserlösliche Vitamine
2. Das Mehl
2.1 Allgemeines
2.1.1 Verbreitung
2.1.2 Aufbau des Korns
2.2 Weizenmehl
2.2.1 Typenbezeichnungen
2.2.2 Backtechnische Bedeutung
2.2.2.1 Eiweißstoffe des Weizenmehls
2.2.2.2 Stärke des Weizenmehls
2.2.2.3 weitere Mehlinhaltsstoffe
2.3 Roggenmehl
2.3.1 Typenbezeichnungen
2.3.2 Unterschiede: Weizenmehl
2.3.3 Folgerungen für die Praxis - Roggenmehl
2.4 Lagerung von Mehl
3. Teigentwicklung und Backvorgang

Grundlagen der Backwarenherstellung

1. Die Nährstoffe

1.1 Eiweiß

1.1.1 Aufbau

Die grundlegenden Bausteine der Eiweiße sind die Aminosäuren.

Sie sind aufgebaut aus den Elementen:

häufig enthalten sie auch

Mehrere Aminosäuren bilden Peptide (= kettenartige Verbindungen von Aminosäuren):

Proteine = einfache Eiweißstoffe 4bestehen nur aus mehreren Aminosäuren

Proteide = zusammengesetzte Eiweißstoffe 4enthalten außer Aminosäuren noch weitereStoffe (z.B.: Zucker, Fett, Mineralst.)

1.1.2 Bedeutung für den menschl. Körper

Die Eiweiße werden bei der Verdauung in ihre einfachen Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt. Durch die Resorption (= Aufnahme der Nährstoffe durch die Darmwand ins Körper- innere) gelangen die Aminosäuren in die Leber. Dort können sie

Eiweiß dient also als

Zum Aufbau körpereigener Eiweiße werden etwa 20 verschiedene Aminosäuren benötigt. Doch nicht in jedem eiweißhaltigem Nahrungsmittel sind alle Aminosäurearten enthalten. In vielen Fällen kann unser Körper die fehlenden Aminosäuren mit Hilfe von Enzymen aus anderen Aminosäuren herstellen.
Jedoch gibt es acht Aminosäuren die unser Körper nicht nachbilden kann. Diese acht Aminosäuren müssen dem Körper zugeführt werden, sie heißen deshalb essentiell (=lebensnotwendig).
Deshalb ist es wichtig sowohl verschiedenartige tierische wie pflanzlich Eiweißträger aufzunehmen = gemischte Kost.

1.1.3 Eiweißgehalt von Nahrungsmitteln

hoher Eiweißgehalt geringer Eiweißgehalt
Sojabohnen (bis 50%) Obst (ab 0,2%)
Erdnüsse Kartoffeln
Käse Pilze
Fisch, Fleisch (ab 11%) Schlagsahne, Milch (bis 3,2%)

1.2 Fett

1.2.1 Aufbau

Fette bestehen aus zwei Arten von Bausteinen:

Beide Bausteinarten bestehen aus den Elementen:

  • Kohlenstoff (C)
  • Sauerstoff (O)
  • Wasserstoff (H)

Glycerin

4ist ein farbloser, süßschmeckender, dreiwertiger Alkohol von sirupartiger Beschaffenheit

4kann sich mit Fettsäuren verbinden (=verestern)

Fettsäuren

4kommen in zahlreichen, verschiedenen Arten vor; sie unterscheiden sich:

Während das Glycerin in jedem Fett enthalten ist, können die Fettsäuren verschieden sein. Dadurch unterscheidet sich die Beschaffenheit des Fettes.

Gesättigte Fettsäuren sind:

Ungesättigte Fettsäuren sind:

Gesättigt ist eine Fettsäure dann, wenn genau doppelt so viele H-Atome wie C-Atome vorhanden sind. Bei den ungesättigten Fettsäuren sind anstelle der fehlenden H-Atome einzelne C-Atome doppelt miteinander verbunden.

Wenn ein Fett drei gleiche Fettsäuren enthält, spricht man von reinen Fetten (Glyceriden). Es können aber auch zwei oder gar drei verschiedene Fettsäuren in einem Fettmolekül enthalten sein; dann spricht man von Mischglyceriden. Die in der Backstube verwendeten Fette können darüber hinaus aus verschiedenartigsten Fettmolekülen bestehen. Diese werden als Fettgemische bezeichnet.

1.2.2 Eigenschaften der Fette

Fette können fest, weich oder flüssig (=Öl) sein. Das ist abhängig von den enthaltenen Fettsäuren, da diese unterschiedliche Schmelzpunkte besitzen.
Auch der Rauchpunkt (=Temperatur bei der sich das Fett zersetzt) ist von der Zusammensetzung abhängig. Als Siedefette sind deshalb nur reine Fette geeignet (Rauchpunkt: über 200°C).
Fette sind in Wasser unlöslich, können aber in Äther, Benzin, Benzol, Tetrachlorkohlenstoff und warmen Alkohol aufgelöst werden.
Fette sind emulgierbar. Emulgatoren (z.B.: Lezithin) unterstützen die Verteilung der Fette in Wasser. Natürliche Fettemulsionen sind Milch, Eigelb und Butter. Auch Margarine ist eine Emulsion.

1.2.3 Bedeutung für den menschl. Körper

Die Fette werden bei der Verdauung in die Bausteine Glycerin und Fettsäuren zerlegt und in die Blutbahn aufgenommen. Im Körper dienen die Fette:

Bestimmte Fette besitzen eine zusätzliche Funktion:

! Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind biologisch hochwertiger !

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren im Fett haben folgende Wirkung:

1.2.4 Fettbegleitstoffe / Fettähnliche Stoffe (Lipoide)

Fettbegleitstoffe sind selbst keine Fette, kommen aber in allen Fetten vor und gehen bei der Fettgewinnung in die Speisefette über.
Dem chemischen Aufbau nach ähneln sie dem Fett insofern, als sie auch aus einem Teil Glycerin und ein bis zwei Teilen Fettsäuren bestehen. Sie enthalten außerdem aber noch einen anderen Bestandteil.

Die bekanntesten Fettbegleitstoffe sind:

Lezithin >ist ein fettähnlicher Stoff, der aber nur zwei Fettsäuren enthält und ferner eine phosphor- und stickstoffhaltige Substanz (Cholin)
Karotin >ist eine Vorstufe zum Vitamin A
Cholesterin >ist ein ungesättigter, „sekundärer" Alkohol. Es kommt hauptsächlich in tierischen Fetten vor

1.3 Kohlenhydrate

1.3.1 Aufbau

In der Pflanze wird aus 6 Molekülen Wasser und 6 Molekülen Kohlendioxid je ein Zucker- molekül aufgebaut. Dieser Vorgang heißt Photosynthese:

6 H2O + 6 CO2 C6H12O6 + 6 O2

Wasser Kohlendioxid einfacher Zucker Sauerstoff

Der so erzeugte Zucker wird als einfacher Zucker bezeichnet und kommt in drei verschiedenen Arten vor:

Einfachzucker (Monosaccharide):

- der Süßkraft: - der Vergärbarkeit durch Hefe:

Fruchtzucker Traubenzucker

Traubenzucker Fruchtzucker

Schleimzucker Schleimzucker

Aus zwei Einfachzuckern baut die Pflanze doppelte Zucker auf (Summenformel C12H22O11):

Doppelzucker (Disaccharide):

= 1 Traubenzucker + 1 Fruchtzucker

= 2 Traubenzucker

= 1 Traubenzucker + 1 Schleimzucker

- der Süßkraft: - der Vergärbarkeit:

Rohr- und Rübenzucker Malzzucker

Malzzucker Rohr- und Rübenzucker

Milchzucker Milchzucker

Durch weiteren Zusammenbau von Einfachzuckern kann die Pflanze mehrfache Zucker bilden. Diese dienen ihr meist als Gerüststoff. Für den Aufbau von Mehrfachzuckern werden nur Traubenzuckermoleküle verwendet.

Vielfachzucker (Polysaccharide):

  • besonders viele Traubenzucker
  • Gerüststoff der Pflanzen
  • für den Menschen unverdaulich (Ballaststoff)
  • geringere Anzahl an Traubenzuckern
  • unlöslich, aber verkleistert beim Erhitzen mit Wasser (über 60°C) und bildet eine Gallerte
  • kommt in zwei verschiedenen Bauweisen vor:

Amylose (kristallförmige Molekülstruktur)
Amylopektin (langkettig verzweigte Struktur)

  • Abbauprodukt (Bruchstück) aus der Stärke
  • Molekülgröße: 8 - 12 Traubenzuckerbausteine
  • bildet mit Wasser klebrige Gallerte
  • baut der menschliche Körper selbst auf, um es als Reservestoff in der Leber zu speichern. Bei Bedarf kann es schnell wieder zu Traubenzucker abgebaut werden.

Die handelsüblichen Zuckersorten (Kristallzucker etc.) werden aus Zuckerrüben hergestellt und bestehen daher aus dem Disaccharid Rohr- und Rübenzucker.

1.3.2 Verwertbarkeit

Einfachzucker können unverändert durch die Darmwände dringen und sofort verbrannt oder als Glykogen zwischengelagert werden.

! Auch Eiweiße und Fette, die im Körper verbrannt werden sollen, müssen zuvor in Traubenzucker umgewandelt werden!

Doppelzucker können zu Einfachzucker abgebaut und verwertet werden.
Stärke muß, um verwertet zu werden, durch Hitze aufgeschlossen (kochen, backen) und zu Einfachzucker abgebaut werden.
Dextrine können leicht abgebaut und verwertet werden.
Zellulose unverdaulich; wirkt verdauungsfördernd (Ballaststoff)

1.3.3 Bedeutung für den menschl. Körper

Kohlenhydrate dienen dem Körper als

1.3.4 Zuckerähnliche Stoffe

Bei den normalen Zuckerstoffen bilden meist sechs Kohlenstoffatome die Grundlage (Einfachzucker C6H12O6). Es gibt aber auch Kohlenhydrate die nur aus fünf C-Atomen bestehen. Einige von ihnen sind Gerüstsubstanzen der Pflanzen, wie die Hemizellulose oder Pentosane. Sie bestehen aus ähnlich großen Molekülen wie die Zellulose, haben aber andere Eigenschaften: Sie bilden in kaltem Wasser eine schleimartige Gallerte (deswegen: Schleimstoffe). Dies ist für die Verarbeitung von Roggenmehl sehr bedeutend.
Weitere Zuckerähnliche Stoffe sind die Pektine (Geliermittel) und die Pflanzengummis.


1.4 Wasser

Wasser ist der wichtigste Nährstoff für den Körper. Es hat folgende Aufgaben:


1.5 Mineralstoffe

Im Körper werden Mineralstoffe verwendet als:

Mineralstoffe werden in zwei Kategorien eingeteilt:

1.5.1 Mengenelemente

Den vorwiegenden Anteil der Nährstoffe in der Nahrung bilden die Mengenelemente:

  Wirkung
Calcium Baustein für Knochen und Gewebe; notwendig für Blutgerinnung
Phosphor Baustein für Knochen; Energiespeicherung und -übertragung in den Muskeln
Magnesium Bestandteil der Muskeln und vieler Enzyme für den Energiestoffwechsel
Natrium Regelung der Wasserbindung, Enzymaktivierung, Salzsäurebildung im Magen
Kalium Regelung der Wasserbindung, Energieübertragung in den Muskeln
Chlor Regelung der Wasserbindung, Salzsäurebildung im Magen

1.5.2 Spurenelemente

Die sogenannten „Spurenelementen" sind nur in geringen Mengen enthalten.

  Wirkung
Eisen Bestandteil des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, Bestandteil von Enzymen
Zink Bestandteil des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, Bestandteil von Enzymen
Kupfer Mitwirkung bei der Ausnutzung von Eisen; Bestandteil von Enzymen
Jod Bestandteil des Schilddrüsenhormons

1.6 Vitamine

Vitamine sind Wirk- und Reglerstoffe, die in Körperzellen ganz bestimmte Tätigkeiten anregen oder hemmen. Fehlen entsprechende Vitamine treten Mangelerscheinungen auf.

Man Unterscheidet zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen:

1.6.1 fettlösliche Vitamine

Sie sind vor allem in pflanzlichen Speisefetten, Innereien und tierischen Produkten (Milch, Milcherzeugnisse, Eier) vorhanden.

  Aufgaben
Vitamin A (Retinol)
Vorstufe: Karotin
Beteiligung am Sehvorgang
Vitamin D (Calciferol) Knochenbildung, Calciumstoffwechsel
Vitamin E (Tocopherol) schützt ungesättigte Fettsäuren vor Veränderungen
Vitamin K (Phyllochinon) Blutgerinnung bei Verletzungen

1.6.2 wasserlösliche Vitamine

Sie kommen vor allem in Früchten, Kartoffeln, Gemüse, Getreideerzeugnissen sowie im Fleisch enthalten.

  Aufgaben
Vitamin C (Ascorbinsäure) Aufrechterhaltung von Gesundheit und Widerstandsfähigkeit
Vitamin B1 (Thiamin) Bestandteil von Enzymen, die für den Stoffwechsel wichtig sind
Vitamin B2 (Riboflavin) Bestandteil von Enzymen, die für den Stoffwechsel wichtig sind
Niacin Bestandteil von Enzymen, die für den Stoffwechsel wichtig sind
Vitamin B12 (Cobalamin) Eiweißstoffwechsel, Bildung der roten Blutkörperchen

2. Das Mehl

2.1 Allgemeines

2.1.1 Verbreitung

In Deutschland gelten nur Roggen- und Weizenmehl als Brotgetreidearten. Zu den Nicht-Brotgetreidearten werden Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Reis und Buchweizen gezählt.

Gebäcke aus Weizen werden fast in der ganzen Welt verzehrt, Roggen dagegen wird nur in Mittel-, Nord- und Osteuropa verwendet.

2.1.2 Aufbau des Korns


2.2 Weizenmehl

2.2.1 Typenbezeichnungen

Die Typenzahl gibt an, wieviel Gramm Mineralstoffe annähernd in 100 kg wasserfreiem Mehl enthalten sind.

Type Eignung
405 = Auszugmehl für Feine Backwaren
550 = Vordermehl für Weißgebäcke
812 = Voll- oder Hintermehl für helles Mischbrot; auch zum Beimischen für Weißgebäck
1050 = Hintermehl für Mischbrot
1600 = Hintermehl für dunkles Mischbrot (nur gering backfähig)
1700 = Backschrot für Schrotbrot
ohne = Weizenvollkornmehl / -schrot

Niedrige Typenzahl = helle Mehle aus dem Kern des Mehlkörpers.
Hohe Typenzahl = dunkle Mehle aus den Randschichten des Mehlkörpers.

2.2.2 Backtechnische Bedeutung

Weizenmehl der Type 550 setzt sich zusammen aus:

2.2.2.1 Eiweißstoffe des Weizenmehls

Backtechnisch sind nur die kleberbildenden Eiweiße Gliadin und Glutenin von Bedeutung. Die restlichen Eiweiße (Albumin, Globulin) lösen sich beim Einteigen im Schüttwasser.

Eigenschaften von Gliadin und Glutenin:

Eigenschaften backtechnische Bedeutung
  • wasserunlöslich
  •  
  • quellfähig
  • binden beim Einteigen das Doppelte ihres Eigengewichts an Wasser
  • im gequollenen Zustand vernetzungsfähig
  • geben dem Teig seinen Zusammenhang
  • im gequollenen Zustand elastisch
  • machen den Teig dehn- und formbar; geben ihm Stand
  • im gequollenen Zustand gashaltefähig
  • halten die Gärgase im Teig, machen den Teig lockerungsfähig
  • gerinnen beim Erhitzen (ca. 72°C)
  • werden beim Backen fest und bilden ein vorläufiges Krumengerüst
  • Die Backfähigkeit von Weizenmehl wird durch die Klebereiweiße bestimmt.

    Die kleberbildenden Eiweiße sind wichtig für die Teigbildung!

    2.2.2.2 Stärke des Weizenmehls

    Der Hauptanteil der im Weizenmehl enthaltenen Kohlenhydrate besteht aus Stärke. Der restliche Anteil sind lösliche Zuckerstoffe (Dextrine, Malz-, Traubenzucker), Zellulose und Pentosane.

    Eigenschaften der Weizenstärke:

    Eigenschaften backtechnische Bedeutung
  • in kaltem Wasser unlöslich
  •  
  • in kaltem Wasser nicht quellfähig, lagert aber beim Einteigen Wasser an ihrer Oberfläche an
  • Stärke kann so die Hälfte ihres Eigengewichts an Wasser in den Teig einbringen
  • verkleistert zwischen 60 und 88 °C
  • Stärke bindet beim Backen das Teigwasser 4es bildet sich eine feste Gebäckkrume
  • kann durch Enzyme abgebaut werden
  • Die Abbauprodukte (Dextrine, Malz- , Traubenzucker) verbessern die Teiggärung und die Krustenbräunung
  • ist im trockenen Zustand durch Hitze abbaubar
  • Beim Backen bilden sich auf der Kruste Dextrine 4Krustenbräunung
  • Stärke bildet beim Backen die Gebäckkrume!

    Die Weizenstärke ist wichtig für die Gebäckbildung!

    2.2.2.3 weitere Mehlinhaltsstoffe

    lösliche Zuckerstoffe

    Die löslichen Zuckerstoffe des Weizenmehls sind hauptsächlich Dextrine, Malzzucker und Traubenzucker.

    Zellulose und Pentosane

    Zellulose und Pentosane kommen überwiegend in der Schale des Getreidekorns vor und sind unverdaulich. Sie sind

    Mehlenzyme

    Enzym Ausgangsstoff Abbauprodukt Wirkung
    Amylase Mehlstärke Dextrin, Malz-, Traubenzucker  
    Maltase Malzzucker Traubenzucker wirken besonders im feucht-warmen Teig; sorgen auch noch in der letzten Gärphase für Zuckernachschub für die Hefe; nicht vergorener Zucker verstärkt die Krustenbräunung
    Protease Eiweißstoffe Aminosäuren schwächt den Kleber; besonders aktiv im feucht-warmen Teig
    Lipase Mehlfettstoffe Glyzerin, Fettsäuren macht sich nur in überlagerten Mehlen bemerkbar; Mehl wird ranzig

    2.3 Roggenmehl

    2.3.1 Typenbezeichnung

    Type Merkmale
    815 = hellstes, schalenarmes Mehl
    997 = helles, schalenarmes Mehl
    1150 = graues, schalenreicheres Mehl
    1370 = dunkelgraues, schalenreiches Mehl
    1740 = dunkles, sehr schalenreiches Mehl
    1800 = Roggenbackschrot (ohne Kornkeimling)
    ohne = Roggenvollkornschrot/-mehl (alle Kornbestandteile mit Keimling)

    2.3.2 Unterschiede: Weizenmehl - Roggenmehl

    Roggenmehl der Type 1150 setzt sich zusammen aus:

    Roggen- und Weizenmehl unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Roggenmehl enthält:

    2.3.3 Folgerungen für die Praxis

    Aufgrund der technologischen Unterschiede von Roggenmehl und Weizenmehl muß folgendes beachtet werden:


    2.4 Lagerung von Mehl

    Mehl wird beim Lagern durch mehleigene Enzyme abgebaut. Besonders gefährdet ist Roggenmehl (Auswuchsschäden). Mehl sollte nicht länger als 2 Monate gelagert werden.


    3. Teigentwicklung und Backvorgang

    3.1 Temperaturen

    3.2 Die Teigbildung

    a) Misch- und Quellungsphase

    Mehl, Wasser, Hefe und Salz werden vermischt, die wasserlöslichen Bestandteile (wasserlösliches Eiweiß, Zucker und Salz) lösen sich in der Schüttflüßigkeit auf. Die Klebereiweiße und Pentosane beginnen zu quellen und die Stärke lagert Wasser an ihrer Oberfläche an. In dieser Phase binden die Klebereiweiße das 2-3-fache (bei Weizenteigen) und die unlöslichen Pentosane das Achtfache (bei Roggenteigen) des Eigengewichts an Wasser. Die Hefe beginnt langsam ihre Stoffwechseltätigkeit.

    b) Knetphase

    Bei Weizenteigen wird durch die Reibung des Knetwerkzeuges der Kleber gebildet: die gequollenen Klebereiweiße (Gliadin und Glutenin) werden zu feinen Strängen (Bändern) ausgezogen und über den gesamten Teig verteilt. In diese „Bänder" sind die Stärkekörner eingelagert. So kann sich ein dreidimensionales Klebernetz bilden, in dem sich das Gas zur Teiglockerung sammelt.
    Da bei Roggenteigen kein Kleber gebildet wird, genügt es, diese nur intensiv zu mischen.

    3.3 Teigruhe und Teiggärung

    Während der Teigruhe soll sich der Kleber entspannen, damit eine Überbeanspruchung der Kleberfilme vermieden wird und der Teig leichter geformt werden kann. Besonders bei Überkneteten Teigen ist eine verlängerte Teigruhe wichtig.
    Die Wasserbindung durch die Mehlbestandteile schreitet fort und die Hefe intensiviert ihre Stoffwechseltätigkeit.
    So lange noch eingekneteter Sauerstoff im Teig ist vermehrt sich die Hefe (Hefeatmung). Ist der Sauerstoff verbraucht, beginnt die Hefegärung: Traubenzucker (C6H12O6) wird durch das Hefeenzym Zymase zu Kohlendioxid (CO2) und Alkohol (C2H5OH) abgebaut. Durch die entstehenden Lockerungsgase (CO2) bilden sich im ganzen Teig kleine Gasbläßchen (Poren), die den Teig lockern.


     


    mono- = einfach-
    di- = doppelt-
    tri- = dreifach-
    poly- = vielfach-
    essentiell = lebensnotwendig
    unessentiell = nicht lebensnotwendig
    Resorption = Durchdringen der Darm- wand; Aufnahme der Nährstoffe durch die Darmwand ins Körperinnere
    verestern = Verbinden von Glycerin mit Fettsäuren