Der Sauerteig

1. Allgemeines

Warum Sauerteig?

Die Unterschiede von Weizen- und Roggenmehl liegen hauptsächlich im Aufbau und Anteil von Eiweiß, Stärke und Pentosanen (Schleimstoffen). Roggenmehl enthält im Gegensatz zu Weizenmehl weniger kleberbildende Eiweiße (Gliadin und Glutenin), die zudem noch durch die Pentosane an einer Ausbildung von Klebersträngen gehindert wird. Die Eiweiße des Roggenmehls sind hauptsächlich wasserlöslich und können nur durch Mitverwendung von Säure eine gute Krumenelastizität sicherstellen.

Die Versäuerung des Roggenmehles/-schrotes erfolgt also vornehmlich aus technologischen Gründen, um das Roggenmehl backfähig zu machen, d. h. um eine gute Krumenelastizität zu erzielen, und erst in zweiter Hinsicht aus geschmacklichen Gründen .

 

Was ist Sauerteig?

Sauerteig ist ein Roggen- oder Weizenteig, in dem Mikroorganismen (z. B. Milchsäurebakterien, Hefen) Gärungsprodukte bilden.

Diese Gärungsprodukte sind:

  • Milchsäure
  • Essigsäure
  • Alkohol
  • Kohlensäuregas (CO2)
  • Gärungs-Nebenprodukte (wichtig für die Aromabildung)

Durch mischen von Wasser und Mehl schafft der Bäcker diesen Bakterien ideale Lebensbedingungen, wobei er durch das Mischungsverhältnis Wasser/Mehl und  die Wahl der Sauerteigtemperatur das Gärungsverhalten beeinflussen kann.

Die Milchsäurebakterien vergären hauptsächlich Kohlenhydrate zu:

  • Milchsäure (homofermentativ)
  • Milchsäure, Essigsäure, CO2 (heterofermentativ)

„homo” = gleich, „hetero” = anders

 

Aufgabe des Sauerteiges

Der Sauerteig dient der Sicherstellung

  • der technologischen Qualität des Brotes
  • der Erzeugung der typischen Geschmacks- und Aromastoffe
  • eines Schutzes des Teiges vor Fremd- und Fehlgärungen
  • einer verbesserten Brotfrischhaltung
  • einer längeren Haltbarkeit des Brotes

 

2. Sauerteigberechnung

Allgemeines

Bereits ab 20% Roggenmehlanteil muß der Teig gesäuert werden . Bei Roggenvollkorn- broten soll der verwendete Sauerteig auch mit Roggenvollkornmehl geführt werden. Stellt man Schrotbrote her, empfiehlt es sich das Grobschrot zu versäuern, wodurch man sich ein Brüh- oder Quellstück erspart. Die höhere TA bei roggenhaltigen Teigen ist auf die enthaltenen Pentosane zurückzuführen (Pentosane = Ballaststoff (Polysacharid), sehr hohes Wasserbindevermögen).

 

Rezepterstellung

Grundlagen bei der Rezepterstellung von roggenhaltigen Broten:

  1. Welche Mehlmischung?
  2. Welche Sauerteigführung (optimal ist eine Führung, bei der möglichst viel Roggenmehl versäuert wird)
  3. Welche Teigausbeute?

Gebäck

anzustrebende

Teigfestigkeit

anzustrebende

Teigausbeute

Weizenmischbrot

etwas weich

155 - 163

Roggenmischbrot

weich

160 - 170

Roggenbrot

weich

165 - 175

Roggenschrotbrote

sehr weich

170 - 200

     4.   Welche Teigtemperatur?

Niedrigere Temperaturen

Zu hohe Teigtemperaturen

- längere Frischhaltung

- rissige Oberfläche

- intensiverer Geschmack

  (wegen längerer Stehzeit)

- Geschmacksnote, die oft nur

  als „fade” bezeichnet werden kann

- insgesamt bessere Gebäckqualität

- geringeres Volumen

 

- Trockenkrümeln der Brotkrume


           Weizenteige:   22 - 24°C,  max. 26°C
              Roggenteige:  bis 30°C

      5.    Salzzugabe:  1,8 - 2%

      6.    Hefe:  Hefezugabe je nach Sauerteigführung
                        (Drei-Stufen-Sauer: 1 - 2 % Hefezugabe wegen Nachsäuern)

 

Sauerteigführungen

  • Drei-Stufen-Führung (Grund- oder Vollsauer über Nacht, Detmolder-)
  • Schaumsauerverfahren (fünfstufig)
  • Zwei-Stufen-Führung (Detmolder-)
  • Berliner Kurzsauerführung
  • Detmolder Ein-Stufen-Führung
  • Salzsauerverfahren (Monheimer Salzsauer-Führung)
 

Dreistufenführung

„Neue” Zweistufenführung

DEF = Detmolder Einstufenführung

BKS = Berliner Kurzsauerführung

Monheimer Salzsauerführung

Anstellgutme nge in % der zu versäuernden Mehlmenge

abhängig von der Stehzeit der einzelnen Stufen (durchschnittlich 0,5-1%

Generell 2,5% der zu versäuernden Mehlmenge (Vollsauer)

Je nach Sauerteig- temperatur

20% bei 20-23°C

10% bei 24-26°C

5% bei 26-27°C

2% bei 27-28°C

20%

20%

Sauerteig- temperatur

Anfrischsauer: 23-25°C

Grundsauer:    23-28°C

Vollsauer:       ca. 30°C

Grundsauer: 22-26°C

Vollsauer:    27-33°C

20-28°C
(siehe Oben)

durchgehend 35°C
(z. T. auch 36°C)

anfangs 35°C
innerhalb 20-24 Std. auf
ca. 20°C fallend
(bei Lagerung > 15°C)

TA des Sauers

Anfrischsauer: 190-200

Grundsauer:    150-175

Vollsauer:       180-200

Grundsauer: 150

Vollsauer:    180

(siehe unten)

180

190

200

Reifezeit in Stunden

Anfrischsauer: 2-5

Grundsauer:    4-10

Vollsauer:       2-3 / 6-9

Grundsauer:  15-24

Vollsauer:     2,5-3,5

15-20

3
(bis zu 4)

24 Std. bis 7 Tage
(15°C)

zu versäuernde Mehlmenge
(Roggenmehl)

Roggenbrote: ~33%

Roggenmischbrote: ~40%

Mischbrote:  50-70%

durchschnittlich 40-60%
(je nach Zielsetzung)

RM : WM   %RM

100 :  0          35%

  80 : 20         40%

  40 : 60         40%

  30 : 70         53%

  20 : 80         60%

Roggenbrote:  40-50%

Roggenmischbrote:                                  40-70%

Weizenmischbrote:                        60-100%

RM : WM   %RM

100 :  0         33%

  80 : 20        35%

  60 : 40        35%

  40 : 60        40%

  30 : 70        45%

  10 : 90       100%

Berechnungs- grundlage

Anwendung der Arcady - Vermehrungsregel

 

Grund- oder Vollsauer- über-Nacht-Führung

Anstellgut * 16 = Grundsauer

Anstellgut *  8 = Grundsauerzuschuß

Mehlzusatz zum Voll- sauer
 = Zugußzusatz zum Vollsauer
= Grundsauermenge

Maßgebend für die Berechnung der Anstell- gutmenge ist die Temperatur des Sauers; danach richtet sich das Führungsschema.

Sinkt die Temperatur um 1-2°C ab, so verlängert sich die Stehzeit um 30 Minuten, 35°C sollten aber eingehalten werden.

Zum Sauerteig werden 2% Salz zugegeben.

(Die Salzzugabe wird beim Teig verrechnet.)